Christoph Wenzel

Vier Fragen zu Rolf Dieter Brinkmann

Christoph Wenzel

Christoph Wenzel // Foto: Sonja Wenzel

1. Wie sind Sie auf Rolf Dieter Brinkmann aufmerksam geworden?
Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht mehr genau, wie ich auf Brinkmann aufmerksam wurde. Ich erinnere mich lediglich daran, wie ich vor knapp 15 Jahren zu Beginn meines Studiums eine remittierte Ausgabe von Westwärts 1&2 in der Kölner Zweitausendeins-Filiale kaufte. Da war mir Brinkmann aber längst (aber auch: nur) ein Begriff. Trotzdem stand das Buch dann noch geraume Zeit ungelesen im Regal, bis ich wieder danach griff und intensiver zu lesen anfing. Mittlerweile ist auch Zweitausendeins Geschichte. Die Kölner Filiale befand sich übrigens unweit der Engelbertstraße, in der Brinkmann lebte.

2. Welcher seiner Texte hat Ihnen am besten gefallen?
Ich muss Adrian Kasnitz beipflichten: Die „Vorbemerkung“ in Westwärts 1&2 ist ein ganz außerordentlicher Text. Ansonsten bleiben natürlich viele eindrückliche Verse und Bilder aus Brinkmanns Gedichten haften: „Leerzeilen waren nur noch in Gedichten vorhanden“ etwa oder der krumme Wäschedraht, auf dem eine schwarze, nasse, tropfende Strumpfhose hängt. Brinkmanns Sound zu beschwören, ist ja längst selbst zu einem Topos geworden, den man durchaus perpetuieren darf, aber vielleicht gefällt es mir besser von Brinkmanns Blicken zu sprechen, von Brinkmanns Bildern.

3. Was hätten Sie Brinkmann gerne noch persönlich gesagt?
Schwierig. Wie gut (oder wenig) hätte man sich gekannt? In welcher Situation wäre man aufeinandergetroffen? Hätte man vis-à-vis gesprochen, telefoniert, gemailt, ge’facebooked‘? Wahrscheinlich wäre es von solchen Umständen abhängig gewesen, was ich ihm gesagt oder ihn gefragt hätte. Vielleicht hätte ich ihm  – auch wenn er es vermutlich nicht gern gehört hätte – einfach gesagt: „Erzähl mir von Vechta“.

4. Ergänzen Sie bitte folgenden Satz: Rolf Dieter Brinkmann ist…
kein Fixstern, sondern vielmehr vom Erneuerer zu einer bedeutenden Koordinate geworden, und (mindestens) darin auch ein Vorgänger Thomas Klings.


Zur Person

Christoph Wenzel wurde 1979 im westfälischen Hamm geboren. Er studierte Germanistik und Anglistik an der RWTH Aachen und arbeitet seither als Autor, Herausgeber und Universitätsangestellter in Aachen. Er ist Mitbegründer und -herausgeber der Literaturzeitschrift [SIC], betreibt gemeinsam mit Daniel Ketteler den [SIC] -Literaturverlag und schreibt Lyrik und Essays, die in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht wurden.
2005 erschien sein Lyrikdebüt zeit aus der karte (Rimbaud Verlag), 2010 der zweite Gedichtband tagebrüche bei yedermann und 2012 der Band weg vom fenster in der Edition Haus Nottbeck. Als Herausgeber betreute er mit Adrian Kasnitz die Lyrikanthologie Westfalen, sonst nichts? ([SIC]-Literaturverlag,  parasitenpresse 2012). Für seine Gedichte erhielt Christoph Wenzel verschiedene literarische Stipendien und Preise, zuletzt den Alfred-Gruber-Preis beim Lyrikpreis Meran (2012), den Literaturpreis der GWK (2102) und das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln (2013).

Mehr Informationen
www.literaturport.de
www.siconline.de

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