Stan Lafleur

Vier Fragen zu Rolf Dieter Brinkmann

Stan Lafleur

Stan Lafleur // Foto: Privat

1. Wie bist Du auf Rolf Dieter Brinkmann aufmerksam geworden?
Das weiß ich nicht mehr genau. Es muß zweite Hälfte der 80er gewesen sein. Sein Name schwebte bei Gesprächen über Literatur häufig mit im Raum. Ich erinnere mich, daß ich lange vergeblich versucht habe, Keiner weiß mehr über die Bibliothek zu bekommen. Das Buch war immer anderweitig verliehen oder reserviert. Das erste, was ich von ihm in die Hand bekam, war Acid, seine Anthologie mit den amerikanischen Beat-Autoren.

2. Welcher seiner Texte hat Dir am besten gefallen?
Mir gefallen vor allem einige Gedichte aus Westwärts 1 & 2 sowie aus den kleineren Gedicht-bänden, die unter dem Titel Standphotos zusammengefaßt erschienen: Energie, Direktheit, bisweilen geradezu wütendes Auf-den-Grund-Blickenwollen, der Fokus auf das Randseitig-Alltägliche, Banale, den Abfall, ein Schuß überdrehtes Spießertum. Es schwingt häufig der Ausdruck kaum erfüllbarer Sehnsüchte, eines trotzigen, letztlich inakzeptablen Arrangements mit den Umständen in Brinkmanns Texten mit. Das spricht mich an, indem es mich ungesättigt anspringt.

3. Was hättest Du Brinkmann gerne noch persönlich gesagt?
Von Leuten, die ihn kannten, wurde mir zugetragen, er sei ein schwieriger Mensch gewesen, vor dem viele Angst gehabt hätten. Wahrscheinlich hätte ich ihn auf diese Außenwahrnehmung angesprochen. Oder ihm erzählt, auf welche Weise ein Exemplar seines Copy-Zines Der Gummibaum zu mir fand. Um ein Gespräch zu beginnen.

4. Ergänze bitte folgenden Satz: Rolf Dieter Brinkmann…
ist in seiner Kompromißlosigkeit, die intensive, lange im Gedächtnis bleibende Sprachbilder/Betrachtungen, aber auch seitenlang extreme Langeweile erzeugen kann, einer der bemerkenswertesten deutschen Autoren seiner Generation und der vergangenen Jahrzehnte.


Zur Person

Stan Lafleur,  geboren 1968 in Karlsruhe und dort aufgewachsen, lebt in Köln. Er schreibt Lyrik, Prosa, Hörspiele und Bühnenszenarien. Sein Werk umfaßt bisher 15 Einzeltitel, sowie zahllose Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Seine Texte wurden mehrfach ausgezeichnet (unter anderem mit dem Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln und dem Literaturpreis des Landes Nordrhein-Westfalen), vertont, verfilmt und in ein Dutzend Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen ist die Prosaarbeit Rhein-Meditation (‚Edition 12 Farben‘ im Verlag rhein wörtlich, Köln 2014/15).

Stan Lafleur über Rhein-Meditation (Dom-Radio Köln, 22. Januar 2015)

Mehr Informationen
Stan Lafleur betreibt neben seinem eigenen Autorenblog auch die Seite www.rheinsein.de (seit 2009), eine Art elektronisches Rhein-Museum mit Materialien zur gesamtrheinischen Kulturgeschichte.

 

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