RDB zum Achtzigsten (Teil 2)

Eine digitale Rezipienten-Anthologie zum 80. Geburtstag von Rolf Dieter Brinkmann.
Teil 2 mit Texten, Bildern und Tönen von Stan Lafleur, Friederike Mayröcker, Jo Teh & Fé Kolb, Linda Pfeiffer, Michael Krüger, Amir Shaheen, Norbert Hummelt, Michael Braun, David Krause und Ulrike Pfeiffer.

 

TEIL 2 (18.4.2020)
„#şiirsokakta“. Das Gedicht ist auf der (Engelbert-)Straße

Siehe alle Teile hier in der Übersicht.

 

STAN LAFLEUR

Die Cemal Süreya Sokak im Istanbuler Bezirk Kadıköy Haus für Haus fotografierend: Vorstellung, die Engelbertstraße im Kölner Kwartier Latäng hieße Rolf Dieter Brinkmann-Straße und es wären dort ebenfalls überall (und insbesondere an der Hausnummer 65, wo er im vierten Stock mit seiner Kleinfamilie wohnte) von anonymer Hand mit Buntstift Brinkmannzeilen auf Mauern, Stromverteilerkästen etc. angebracht, so wie in der Cemal Süreya Sokak eben Cemal Süreya-Zeilen.
Natürlich, das meist illegale Bekritzeln vieler Straßen mit Gedichtzeilen geht in der Türkei auf eine wilde und zu erheblicher Bekanntheit gelangte Bewegung im Zuge der Gezi-Proteste zurück: #şiirsokakta (“Das Gedicht ist auf der Straße”), die ausgewählte Verse türkischer Dichterinnen und Dichter mittels öffentlichem Anbringen in Bezug zur gesellschaftlichen Realität setzt, eine eigene Ästhetik schuf und die einige Jahre nach ihrem Ausbruch zwar abgeflacht, aber weiterhin sichtbar ist.

Fassade des alten Wohnhauses des türkischen Dichters Cemal Süreya (1931-1990) im Istanbuler Stadtviertel Kadıköy. // Foto: Stan Lafleur, Februar 2019.

Auch in Köln ist das wilde Streuen von Gedichtzeilen im urbanen Raum in den vergangenen Jahren in Mode gekommen: vereinzelt und vorwiegend eher unterhalb des Wahrnehmungsradars der angesprochenen und insbesondere der literarischen Öffentlichkeit. Es war vermutlich der deutliche Kontakt zur Straße, die Fundstellen im Trivialen, Ultrabanalen, fast schon im Dreck, was mich im Februar 2019 angesichts der lyrikinfizierten Cemal Süreya Sokak an Rolf Dieter Brinkmann und seinen in Köln überfälligen Straßennamen erinnerte. 1Anm. R. Di Bella: Der Beitrag von Stan Lafleur ist ein Auszug aus einem unveröffentlichten Prosaprojekt. Weitere Teile daraus in Kürze in die ...weiter lesen

Stan Lafleur (*1968) ◊ Lyriker, Prosaautor und Blogger zum Fragebogen
Aktueller Titel: Am Rande der Wahrscheinlichkeit von Mexiko. Zentralamerikanische Gedichte und Reisenotizen. parasitenpresse 2019.

 

Friederike Mayröcker antwortet auf einen Fragebogen (S. 1 von 3). In: Orte. Räume. Mitteilungsblatt der Rolf Dieter Brinkmann-Gesellschaft Vechta. Ausgabe 1998 (1&2) // Zum Vergrößern anklicken.


Vorspiegelung / Verprügelung / einer Landschaft

Echoruf entfernter Stadttauben am Morgen: GOCKELSIRENE.
Wie an der Alster das Stampfen der ausfahrenden
Schiffe, und Hafengeräusche aber kein Hafen kein Meer.
Abermals Brinkmanns Strophen zu »Trauer auf dem Wäschedraht
im Januar« und »eine Insel in einer Arie«, krakelig hingeschleudert /
Honigverfassung, während auf holprigen Karrenwegen das Flugzeug
eine Gewitterfront quert.

4.8.942Friederike Mayröcker: Notizen auf einem Kamel. Gedichte 1991-1996. Suhrkamp 1996

Friederike Mayröcker (*1924) ◊ Schriftstellerin
Zuletzt erschienen ist: Pathos und Schwalbe. Suhrkamp 2018.

 

JO TEH & FÉ KOLB

Lieber Rolf Dieter Brinkmann,

zum 80. Geburtstag unsere besten Wünsche. Da Du ja kurz vor deinem Tod mal wirklich glücklich warst, bei dem ‘poetry slam’ in Cambridge mit Gleichgesinnten und dem richtigen Groove, hoffen wir, dass du nun im Dichterhimmel bist…

Mit herzlichen und vielfarbigen Grüßen von
Jo Teh und Fé Kolb

PS: Was hättest Du wohl jetzt zur Corona-Krise gesagt?

Foto: Jo Teh und Fé Kolb

Jo Teh & Fé Kolb ◊ Das Kölner Künstlerpaar hat sein Atelier in der Engelbertstr. 65, eine Etage über der ehemaligen Wohnung des Autors im vierten Stock.
Aktuelle Projekte: siehe Website

 

“Wenn ich heute an RDB zurückdenke, bleibt ein Bild der Ratlosigkeit.” (Michael Krüger)

 

Toncollage zu Rolf Dieter Brinkmann (1)

Mit Zitaten von Jan Koneffke, Bert Brune, Crauss, Frank Göhre, Dieter Wellershoff und Linda Pfeiffer: entnommen aus Beiträgen dieses Blogs sowie dem Buch too much: das lange Leben des Rolf Dieter Brinkmann (1994/2000) und eingesprochen von Valérie Schmitt.

 

LINDA PFEIFFER

Meine Schwester Sharon Tate
Der Gummibaum Nr. 1
Sexy little me
steht vor den halbleergegessenen Platten.
Draußen ist Sommer, drinnen ist Winter
Schneeflocken fallen weiß
und weich
in den swimming pool.
Garr bringt uns den Marihuanasalat und
empfielt als Gegenmittel
Vitamin C in jeder
Form
bis
das Gefühl abklingt.
Manche sind schon tot:
wir haben es
hinter uns
und lachen über die Narben auf unseren Bäuchen,
mit Mullbinden geschützt,
am Kamin sitzt meine Schwester Sharon Tate
und ißt die Lunge
von Abigail Folger, 26

Linda Pfeiffer (*1948) ◊ Schriftstellerinzum Fragebogen
Zuletzt erschienen ist: Schwarze Liebe. Roman. Kiepenheuer & Witsch 2017.
Das oben zitierte Gedicht wurde erstveröffentlicht in: Der Gummibaum. Nr. 1. Hrsg. von Rolf Dieter Brinkmann. Köln 1969.

 

MICHAEL KRÜGER

Wir wollten mal eine Zeitschrift gründen mit dem Titel des einzigen Romans von Clemens Brentano, Godwi. Leider ist nichts daraus geworden. Jetzt hätten wir schon mehr als dreißig Jahrgänge und wären immer noch berühmt. Aber das ist eine andere Geschichte.

In dem Band Brinkmann. Schnitte im Atemschutz (Hrsg. von Karl-Eckhard Carius. et+k 2008) berichtet Michael Krüger noch eine Variante dieser Anekdote.

Wenn ich heute an RDB zurückdenke, bleibt ein Bild der Ratlosigkeit. Einmal schlug er mir vor, gemeinsam eine Zeitschrift unter dem Titel Godwi (nach Brentanos Roman) herauszugeben, sah ein Zögern in meinen Augen und wollte nicht mehr. Wer oder was hatte diesen Motor in ihm angeworfen, der nicht mehr zum Stillstand kam? Man durfte ihn nicht fragen, weil Fragen ihn unterbrochen hätten in seiner Bewegung, mit der er die Welt in sein Werk zog.” (S. 28) 3Anm. R. Di Bella: Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter – Ein verwilderter Roman ist ein romantischer Roman von Clemens Brentano, der das Werk ...weiter lesen

Michael Krüger (*1943) ◊ Schriftsteller, Dichter und Übersetzer zum Fragebogen
Zuletzt erschienen ist: Mein Europa. Gedichte aus dem Tagebuch. Haymon-Verlag 2018.

 

Fotos des Wohnhauses in der Engelbertstraße 65 (errichtet 1895)
zum Vergrößern der Ansicht anklicken

 

“Man liest Gedichte Brinkmanns und sieht, daß Gedichte dazu da sind, Theorien scheitern zu lassen.” (Norbert Hummelt)

 

AMIR SHAHEEN

Der Geruch der Poesie

Wehte mir entgegen in der
Engelbertstraße Mitte der Neunziger
Das Café hatte ich vorgeschlagen
Weil ich im Jahr zuvor
Zwei Straßen weiter eingezogen war

Auf den ausgewählten Texten
Nur wenige Anmerkungen
Und jeweils ein + und jetzt die
Zusage meines Lektors das wird
Ein kleiner Band im Herbst

Ich atmete die Blätter die er mir zurückgab
Zigarillo dachte ich Kaffee alltägliche Dinge
Die Nähe der großen Dichter und
Keine Spur mehr von
Einschüchternder Nachbarschaft

Für Axel Kutsch
zum 70. Geburtstag 2015


Hintergrund

Aus Anlass des 70. Geburtstags von Axel Kutsch vor fünf Jahren habe ich die Veranstaltung „Gedichte — was sonst?“ im Literaturhaus Köln initiiert und organisiert, und aus dem Kreis der Mitwirkenden, maßgeblich Adrian Kasnitz, entstand die Idee zur einer Festschrift, die er dann in seiner Parasitenpresse verlegt hat.
Mein Beitrag dazu beschäftigt sich mit der Entstehung meines ersten Lyrikbandes Unterwegs an all den Stränden (Landpresse 1996), aber nicht nur.
1995/1996 habe ich in der Mozartstraße gewohnt, also um die Ecke von Brinkmanns ehemaligen Wohnhaus in der Engelbertstraße („einschüchternde Nachbarschaft“), und mit Axel mein Manuskript besprochen, so wie es im Gedicht steht. Die „alltäglichen Dinge“ darin greifen natürlich RDBs Postulat auf, womit sich Lyrik beschäftigen solle. Also eine versteckte kleine Hommage an RDB in einem Gedicht für Axel Kutsch. Und der wird am 16. Mai nun 75! Außer in besagter Festschrift ist es ein Jahr später erschienen in meinem Band Fußnoten und Papiertüten (Sujet Verlag 2016).

Amir Shaheen (*1966) ◊ Autor, Lektor, Herausgeber
Zuletzt erschienen ist:
Leuchtspuren Restlicht. Sujet Verlag 2019.

 

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NORBERT HUMMELT

An Brinkmann kam man nicht vorbei. Nur kam ich öfters an seinem Haus vorüber, als er noch nicht viel länger als zehn Jahre tot war. Ich wohnte damals in Köln am Zülpicher Platz, einer der lautesten und urbansten Ecken Kölns. Wo sich Zülpicher und Roonstraße kreuzen, läuft eine stillere Straße diagonal auf den Platz zu: die Engelbertstraße. Eine jener grauen Straßen, „die niemand liebt und atemlos / macht, beim Hindurchgehen.“

Welche Nummer er gewohnt hatte, es war die 65, konnte ich mir schlecht merken, so war immer die ganze, als Abkürzung auf den Rudolfplatz führende Straße Brinkmann-Land. Kam man zur Richard-Wagner-Straße, war klar: links geht es zum Brinkmann-Postamt. Dann durch die Unterführung zum Aachener Weiher, der schon auf den ersten Seiten seines Romans Keiner weiß mehr genannt und so für den Leser zum Brinkmann-Weiher wird. Jeder Baum, jede Litfaßsäule, jeder Balkon stand hier im Verdacht, von Brinkmann gesehen, beschrieben, beschimpft worden zu sein, was aufs selbe hinauslief.

Man weiß zwar, dass Brinkmann in der Nähe wohnte, aber wenn man wirklich versucht hinzugucken, ist der Zauber eigentlich weg. Zu wissen „Da um die Ecke in der Engelbertstraße, da hat er gewohnt“, ohne richtig nachzugucken, ist eigentlich viel anhaltender und inspirierender für die Lektüre als vor die Tür zu treten und zu sagen: „Aha. Wo war die Klingel?“. Das ist doch meistens eher enttäuschend.

Norbert Hummelt: "Keiner jener schlampigen" (1993)

Norbert Hummelt: “Keiner jener schlampigen” (1993) // Zum Vergrößern der Ansicht bitte anklicken.

Unbedingt brauchte ich damals auch Westwärts 1&2, das Kultbuch und Vermächtnis des Autors, das mit seinem Unfalltod 1975 erschienen, später aber vergriffen war (die Neuauflage erschien erst 2005). Ich bekam es in einem Antiquariat unter dem Ladentisch für 30 Mark, das war viel Geld, es war der 4. November 1988, wie ich mir sofort aufs gelbe Deckblatt notierte. An einem jener klassisch verregneten Novemberabende traf ich mich mit Marcel Beyer in meiner Einzimmerwohnung in der Zülpicher Straße 4, und wir verfaßten Cover-Versionen auf „Einen jener klassischen“, Brinkmanns lyrische Hit-Single, die mich immer ein bißchen an Udo Jürgens’ „Griechischer Wein“ erinnert hat, aber das tut der Sache keinen Abbruch.

Das ist keine der schärfsten Nummern des Autors, zeigt wenig von seinem legendären Zorn, es ist radiotauglich – aber wie bei manchen soften Hits harter Bands hat man doch eine Schwäche dafür. Beyers Version fing an: „Einer jener ranzigen“, meine: „Keiner jener schlampigen“. Parodie als Abwehrzauber, den man brauchte, um mit der Ikone Brinkmann umgehen zu können, dem, wie Heiner Müller meinte, vielleicht einzigen Genie der westdeutschen Nachkriegsliteratur.

Ein seltsames Phänomen: Man glaubt sicher zu wissen, daß zwischen Sprache und Welt ein Abgrund klafft, an dem jeder Versuch scheitern muß, die Dinge ungefiltert und direkt in Worte zu setzen. Aber dann liest man Gedichte Brinkmanns und sieht, daß Gedichte dazu da sind, Theorien scheitern zu lassen. 4Beitrag von Norbert Hummelt: Auszüge aus einem Text von 2008, entstanden als Beitrag zum Programmheft für das Theaterexperiment von Schorsch ...weiter lesen

Norbert Hummelt (*1962) ◊ Dichter, Übersetzer, Kulturjournalist im Interview mit Roberto Di Bella ■ Zuletzt erschienen ist: Sonnengesang.Gedichte. Luchterhand 2020.

 

 

Renate Matthaei (Hg.): Trivialmythen. März-Verlag 1970.

Cover der Anthologie Trivialmythen (März Verlag, 1970)// Umschlag-Grafik: Michael van de Sand

 

MICHAEL BRAUN

Wie ich lebe und warum
Das Buch ist verschwunden, nirgendwo mehr aufzufinden, aber die Fotoserie darin spukt immer wieder in meinem Kopf herum. Und lässt mich nicht mehr los. Als sei da etwas Elementares, Schicksalhaftes in diesen unscharfen Fotos enthalten, das weiterwirkt in eine Zukunft hinein, die immer kleiner wird. Es ist eine Serie von 36 Fotografien, die Rolf Dieter Brinkmann für die von Renate Matthaei herausgegebene Anthologie Trivialmythen (1970) zusammengestellt hatte. Seinem Beitrag gab Brinkmann den lapidaren Titel „Wie ich lebe und warum“. Ein bemerkenswertes Plädoyer für eine Poesie ohne Wörter, die auf das gängige Repertoire moderner Lyrik, ja auf das Zeichensystem Sprache gänzlich verzichtet. Da sind nur diese Fotos mit dem Setting eines trostlosen Alltags. Markiert werden die Realien einer eher bedrückenden Normalität in einer kleinen Wohnung am Ende der sechziger Jahre in Köln: Waschbecken, Speisekammer, Badewanne, Toilette, Fernsehgerät, Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer, Menschen kommen nur schattenhaft oder verwischt ins Bild. Und dann das Foto einer halboffenen Tür. Schon in Brinkmanns frühem Werk „Le Chant du Monde“ (1964) heißt es: „Besser als ein Gedicht/ ist eine Tür,/ die schließt.“ Was bleibt, sind 36 Fotos: „Wie ich lebe und warum“. Was bleibt, ist eine Poesie ohne Wörter.5Anm. R. Di Bella: Die Erstfassung der Fotofolge “Wie ich lebe und warum” ist online auf dem Blog von Barbara Kalender und Jörg Schröder ...weiter lesen

Michael Braun (*1958) ◊ Literaturkritiker
Zuletzt erschienen ist: Aus Mangel an Beweisen: Deutschsprachige Lyrik des 21. Jahrhundert. Hrsg. mit Hans Thill. Verlag Das Wunderhorn 2018.

 

DAVID KRAUSE

Rolf Dieter Brinkmann gehört zu den Autoren, deren Meinung ich am meisten geschätzt hätte. Er fehlt der heutigen Literatur, da er mit einer Intensität und Sinnlichkeit schrieb, die ich heutzutage in der oft elitären und akademischen Lyrik vermisse.

Zum Vergrößern der Ansicht anklicken.

Dieses Gedicht hören. (c) lyrikline.org (Berlin)

David Krause (*1988) ◊ Lyriker zum Fragebogen
Zuletzt erschienen ist: Die Umschreibung des Flusses. Gedichte. poetenladen Verlag 2016.

 

 

ULRIKE PFEIFFER

In der Zeit meiner Ausbildung als Photographin in Köln, Ende der 1960er Jahre, verdiente ich im ersten Lehrjahr kaum etwas. Es wäre viel zu kostspielig gewesen, Abzüge von all meinen Photos zu machen, da ich keine eigene Dunkelkammer hatte. So kamen die Negative in Ordner, sortiert nach „interessant“ oder mit Frage­zeichen versehen, was so viel wie „später bearbeiten“ bedeutete.

Aus „später bearbeiten“ (Dank an Uwe Gabriel!) sind Jahrzehnte geworden. Erst als ich 2018 meine Webseite erstellte, stieß ich wieder auf die Filme mit den Aufnahmen, die ich im Jahr 1969 von Brinkmann in seiner Wohnung gemacht hatte.

Ich scannte sie ein und als ich dann auf dem Bildschirm die Photos von Brinkmanns Wohnung zum ersten Mal vor Augen hatte, wurde mir wieder gegenwärtig, wie umstandslos Brinkmann mir damals das Photographieren in seiner Wohnung gestattet hatte, und mit welcher Gelassenheit – wohl auch ein wenig amüsiert – er mir dabei zusah, wie ich, inspiriert von seiner ästhetischen Program­matik, meine Aufmerksamkeit Dingen zuwandte, die man für alltäglich­-trivial hält oder von denen man meint, sie als zu intim und eher peinlich übersehen zu müssen.

Ulrike Pfeiffer (*1951) ◊ Filmemacherin und Fotografin. Über ihre jüngere Schwester Linda lernte sie den Autor und dessen damaligen Freundeskreis kennen. zum Fragebogen
Zuletzt erschienen ist: Rolf Dieter Brinkmann. Engelbertstraße 65, vierter Stock Köln 1969“. 120 Seiten, 55 Abbildungen, mit einem Nachwort von Friedrich Wolfram Heubach. belleville-Verlag 2020. Der oben zitierte Text ist das Vorwort der Fotografin daraus (mit freundlicher Genehmigung von U.P.). Siehe auch den Kommentar zur Publikation von ihrer Schwester, der Kölner Schriftstellerin Linda Pfeiffer.

 

 

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Anmerkungen   [ + ]

1. Anm. R. Di Bella: Der Beitrag von Stan Lafleur ist ein Auszug aus einem unveröffentlichten Prosaprojekt. Weitere Teile daraus in Kürze in die horen.  Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik (Thema: “Istanbul – heute“), Bd. 278, 65. Jg. (voraussichtlich lieferbar ab 27.05.2020). Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
2. Friederike Mayröcker: Notizen auf einem Kamel. Gedichte 1991-1996. Suhrkamp 1996
3. Anm. R. Di Bella: Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter – Ein verwilderter Roman ist ein romantischer Roman von Clemens Brentano, der das Werk mit Unterbrechungen vom Frühsommer 1798 bis Anfang August 1801 verfasste.
4. Beitrag von Norbert Hummelt: Auszüge aus einem Text von 2008, entstanden als Beitrag zum Programmheft für das Theaterexperiment von Schorsch Kamerun: Westwärts – Ein begehbarer Ausnahmezustand, basierend auf Texten von Rolf Dieter Brinkmann, im Rahmen der Ruhrtriennale 2008). den vollständigen Text auf diesem Blog lesen (mit freundlicher Genehmigung des Verfassers). ■ Wer Brinkmanns “Einen jener klassischen…” gerade nicht zur Hand hat, findet das Gedicht online hier.
5. Anm. R. Di Bella: Die Erstfassung der Fotofolge “Wie ich lebe und warum” ist online auf dem Blog von Barbara Kalender und Jörg Schröder dokumentiert. Siehe hierzu auch die frühe Interpretation von Michael Braun: „Poesie ohne Wörter. Die Sprachkrise des Rolf Dieter Brinkmann“. In: Sprache im technischen Zeitalter, 89/1984, 145-51. Siehe auch seinen späteren Vergleich (2017) der Bilder Brinkmanns mit Fotoarbeiten des Lyrikers Dieter M. Gräf.

Über RoDiBe

Dr. Roberto Di Bella: Literaturwissenschaftler & Kulturvermittler
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Ein Kommentar

  1. von der hymne auf einen italienischen platz verfolgt,
    den werbezettel für den bergmann-film jahrelang an der
    pinnwand, vor monaten endlich gekauft und seither im lesewahn.
    warum brinkmann?
    ich photographiere, aber kann nicht schreiben. rdb schreibt, wie ich photographieren möchte – doch sah und empfand er seine umwelt so bestürzend deutlich – ich dagegen laufe daran vorbei und sehe nichts.
    drum ist er für mich die entdeckung 2020.

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