Julia Trompeter

Vier Fragen zu Rolf Dieter Brinkmann

Julia Trompeter

Julia Trompeter // Foto: Peter Susewind

1. Wie bist Du auf Rolf Dieter Brinkmann aufmerksam geworden?
Ich habe seinen Roman Keiner weiß mehr gelesen. Das muss so Anfang der zehner Jahre des neuen Jahrtausends gewesen sein, also relativ spät. Wie genau das kam, „weiß keiner mehr“ – zumindest ich nicht.*

2.    Welcher seiner Texte hat Dir am besten gefallen?
Am besten gefallen hat mir tatsächlich  Keiner weiß mehr, obwohl ich selbst damals ausschließlich Lyrik produziert habe, und auch Brinkmanns Lyrik sehr mochte. Aber der Roman hat so eine wahnsinnige Traurigkeit ausgestrahlt, fand ich, und eine Stimmung transportiert, die man heute kaum noch mit Köln in Verbindung bringen würde. Das hat was von Heißes Pflaster Köln, diesem Kinokrimi aus den späten 60ern, nach dem man Köln auch als „Chicago am Rhein“ bezeichnet hat. Also Prostitution, Kriminalität, mafiöse Strukturen usw. Und diesen Charme hat der Roman auch, obwohl das eigentliche Drama natürlich nicht auf der Straße stattfindet, sondern hinter der Wohnungstür beginnt. Apropos Straße: Was ich auch sehr liebe, sind Brinkmanns Tonbandaufnahmen. „Dieser Scheißhimmel über dieser Scheißstadt“ oder so ähnlich, das sage ich mir zu bestimmten Jahreszeiten mehrmals täglich auswendig auf, und das will was heißen. Schillers „Glocke“ kann ich hingegen nicht.**

3. Was hättest Du Brinkmann gerne noch persönlich gesagt?
„Pass‘ auf dich auf, mach‘ die Augen auf!“, oder so was. Ich finde der Straßenverkehr ist eine fatale Falle und Weniges auf der Welt sinnloser, als in ihm sein Leben zu lassen.

4. Ergänze bitte folgenden Satz: Rolf Dieter Brinkmann ist…
… ein Schriftstellermensch, der eine große Lücke hinterlassen hat. 

Zur Person
Julia Trompeter, geboren 1980 in Siegburg. Studium der Philosophie und Germanistik in Köln. Promotion im Fach Philosophie, zunächst in Berlin, dann in Bochum. Schreibt Lyrik und Prosa. Seit einigen Jahren aktiv im performativen Projekt Sprechduette mit Xaver Römer. 2010 Finalistin des Open Mike, 2012 Rolf-Dieter-Brinkmann Stipendium der Stadt Köln. 2013 erhielt sie für ihren Debütroman Die Mittlerin (Schöffling & Co., → zur Leseprobe) eine Förderung der Kunststiftung NRW und 2014 den Förderpreis des Landes NRW für junge Künstlerinnen und Künstler.

Mehr Informationen
www.poetenladen.de
Kritik zu Die Mittlerin (FR, 24.08.2014)

Anmerkungen R. Di Bella
* Die szenische Lesung von Robert Stadlober u.a. aus dem Roman gibt es hier zu hören.
** Siehe hierzu die Edition Wörter Sex Schnitt. Originalaufnahmen 1973. 5 CDs (ca. 360 Min.). München: Intermedium Records 2005. Zu dem von Julia Trompeter genannten Zitat siehe den Track „Schreiben ist etwas völlig Anderes“. Auf: CD Gelb, Track 1, Min. 20:00ff. Tonbeispiele aus der CD-Edition gibt es hier auf Youtube.

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