Christoph Danne

Vier Fragen zu Rolf Dieter Brinkmann

Christoph Danne // Foto: © smp

1. Wie und wann bist Du auf Rolf Dieter Brinkmann aufmerksam geworden?
1999 erstand ich auf einem Berliner Flohmarkt für ein oder zwei Mark eine Ausgabe von ACID. Neue amerikanische Szene – das klang genau nach dem, was ich suchte. Ich liebte Ginsberg, Kerouac, Bukowski und Burroughs, diese rohe Wildheit und die Abgründe. Von da war es ein kurzer Weg zu Fante, Fauser und Brinkmann.1Anm. Roberto Di Bella: John Fante (1909-1983) war ein US-amerikanischer Schriftsteller italienischer Abstammung. Er gilt als Ahnherr eines ...weiter lesen

2. Welcher seiner Texte hat Dir am besten gefallen (und warum)?
Besonders mag ich die langen, scheinbar chaotischen Prosagedichte. Diese Lebendigkeit, die assoziativen Feuerwerke, der Text als Steinbruch. Die radikale Auflösung lyrischer Normen in Form und Thematik, das Banale, Alltägliche, ein aufgeschnappter Monolog an der Supermarktkasse – für mich als Autor finden sich in Brinkmanns Lyrik überall offene Enden, schroffe Abbruchkanten, lose Fäden, an die man andocken kann.

3. Was hättest Du Brinkmann gerne noch persönlich gesagt oder gefragt?
Kommst du später noch mit ins Low Budget?

Ergänze bitte folgenden Satz: Rolf Dieter Brinkmann…
hat mit seiner Poesie eine Schneise in den BRD-Mief geschlagen – von hier aus konnte, musste man weitergehen, bis heute und darüber hinaus.


Zur Person
Christoph Danne, geboren 1976 in Bonn. Studium der Deutschen Sprache und Literatur in Köln, Salamanca, Berlin. Veröffentlichungen in Zeitschriften, Magazinen und Anthologien. Bislang erschienen fünf Lyrikbände, zuletzt: Aufwachräume (parasitenpresse 2017) und bewegliche ziele (Corvinus Presse 2019). Einzelne seiner Gedichte wurden ins Arabische und Spanische übersetzt. Gewinner Werkstattpreises des Kölner Literatur-Ateliers (2013) und Preisträger bei postpoetry.NRW (2014). Zuletzt erhielt er 2019 das Arbeitsstipendium des Landes NRW für Literatur. Christoph Danne ist außerdem auch vielfältig als Vermittler aktiv: als Initiator der Lyrik-Lesebühne HELLOPOETRY!, Gründer des tauland-verlags sowie Kurator des Lyrikfestivals Satelliten (in Zusammenarbeit mit dem Kölner Literaturhaus). Er lebt als Buchhändler in Köln.

Christoph Danne liest eigene Gedichte (Dauer: 8’45”).

Mehr Informationen
Website des Autors
Leseproben auf Fixpoetry und Poetenladen

Anmerkungen   [ + ]

1. Anm. Roberto Di Bella: John Fante (1909-1983) war ein US-amerikanischer Schriftsteller italienischer Abstammung. Er gilt als Ahnherr eines “dreckigen Realismus” und diente u.a. auch Charles Bukowski (1920-1994) als Vorbild  → weitere Infos. Dieser wiederum inspirierte Jörg Fauser (1944-1987), der u.a. den Kultroman Rohstoff (1984) verfasste. Fauser galt als deutscher Underground-Autor und großer Sympathisant der Beat Generation, der wie Brinkmann einen frühen (Unfall-)Tod starb. → weitere Infos

Über RoDiBe

Dr. Roberto Di Bella: Literaturwissenschaftler & Kulturvermittler
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