RDB zum Achtzigsten (Teil 3)

Eine digitale Rezipienten-Anthologie zum 80. Geburtstag von Rolf Dieter Brinkmann.
Teil 3 mit Texten, Bildern und Tönen von Brigitte Friedrich, Bert Brune, Lars Weylthaar, Eckhard Rhode, Karl-Eckhard Carius, Dieter M. Gräf, Lütfiye Güzel, Jürgen Ploog, Jochen Arlt und Renate Matthaei.

TEIL 3 (21.4.2020)
„Cut up!“. Eine Bresche für die ungezügelte Literatur

Siehe alle Teile hier in der Übersicht.

 

BRIGITTE FRIEDRICH

Ihr seid doch alle scheintot hier!

Mein RDB-Bild ist einmal das vom 17. März 1969 während einer Foto-Session (die eigentlich keine war, weil Rolf Dieter Brinkmann, seine Frau Maleen und ich als Fotografin uns meistens stehend oder gehend auf der Lindenstraße in Köln aufgehalten hatten, einer Querstraße der Engelbertstraße, auf der die Brinkmanns wohnten).

Ich hatte von der Übellaunigkeit und von gelegentlichen Wutausbrüchen des Dichters gehört, doch an jenem März-Nachmittag erlebte ich ihn als gut gelaunt, auch lächelnd, sich einmal in einer Autoscheibe betrachtend – ich hatte das Gefühl, nicht weil er unsicher war, sondern weil er sich seines guten Aussehens vergewissern wollte.

Er gab für meine Exakta ein lässiges und lockeres Dichter-Modell ab, verkörperte durch seine Leichtigkeit die Leichtigkeit einer Filmsequenz, die allerdings auf statischem Zelluloid stattfand.

Wir inszenierten Bilder wie etwa: RDB kauernd neben den schönen Beinen seiner Maleen oder durchlugend durch die gespreizten Beine bei hochgeschobenem Mini-Rock. Und dann diese wechselseitigen, zärtlichen Gesten und Blicke der beiden als Paar.

Bei aller Inszenierung: diese zugewandte Sanftheit war echt.

Im Laufe der Zeit nahmen nach dieser Begegnung die Äußerungen in der literarischen Öffentlichkeit über des Dichters zunehmende Wut und zunehmenden Jähzorn weiter zu, und am 15. November 1974 entstand für mich das andere, zornige Brinkmann-Bild, als Rudi Dutschke im Kölner Forum aufgetreten war und bei Ende des Auftritts um 22 Uhr Brinkmann mit einer anderen männlichen Person den Saal betrat und die Zuhörer lautstark beschimpfte mit: »Ihr seid doch alle tot! Ihr seid doch alle scheintot hier!«

Er war wutentbrannt und hasserfüllt. Worüber, ist mir bis heute ein Rätsel. Es diskutierte niemand mit ihm.1Zuerst erschienen in Brinkmann. Schnitte im Atemschutz. Hrsg. von Karl-Eckhard Carius. edition text + kritik 2008. Veröffentlichung auf dieser ...weiter lesen

Brigitte Friedrich ist eine der renommiertesten Fotografinnen Deutschlands. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Autorenporträts seit 1969, von Achternbusch bis Zwerenz. In ihrem digitalen Bildarchiv für Redaktionen, Archive und Verlage findet man auch alle Brinkmann-Porträts (fünfzehn an der Zahl, sowie ein gemeinsames Foto mit Peter Handke).

***

Über das Fotoshooting mit RDB berichtet auch der Kölner Autor Harald Gröhler (*1938) in einem aktuellen Buch. Hier eine kurze Leseprobe:

Weil das Licht draußen besser war als in der Wohnung an diesem Spät-Vormittag, entschlossen wir uns, hinauszugehen; Maleen mit, Brinkmanns Frau. Wohin? „Na nicht weit, halt auf die Straße.“ Dem Rolf Dieter Brinkmann imponierte offensichtlich, dass Brigitte da so was richtig Provisorisches vorschlagen konnte. Uns, der Brigitte und mir, wurde oben in der Wohnung übrigens kein Stuhl angeboten, wir standen oben in der engen Vierterstockwohnung alle vier voreinander; es ging ja auch im Galopp bald wieder nach unten. Und hier auf dem Bürgersteig ließ Brigitte sich nach einigen Fotos, die dann später einmal reichlich starr und statisch aussahen, einfallen: „Machen Sie doch mal irgendwas Komisches, Herr Brinkmann. Was bisschen Jeckes …“, und es entstand unter anderm jenes Foto, bei dem Rolf Dieter Brinkmann, tief kauernd, zwischen den leicht gegrätschten Beinen seiner Maleen hindurchschaut. Maleen hat einen ganz kurzen Rock an, der Rock ist ein klein bisschen hochgeschoben. Jenes schon fast weltbekannte Foto.2Zitat aus Harald Gröhler: “Rolf Dieter Brinkmann”. In: ders., Dichter! Dichter! So begegneten sie mir. Mit Fotografien von Brigitte ...weiter lesen

 

“Ich bin immer wieder fasziniert von der Kühnheit seines Schreibens.” (Dieter M. Gräf)

 

BERT BRUNE

Aus meinem Brief an Helmut Salzinger (1935-1993) vom 6. Dezember 1988

[…]  Es war richtig was los auf der Präsentation einer Anthologie, in der ich auch vertreten war. Zufällig stand ich neben Maleen Brinkmann, der Witwe von Rolf Dieter, die mir Stories aus ihrem Leben mit dem Dichter erzählte. (obwohl die Leute immer  meinten, Maleen wäre bei Interviews und Anfragen usw. sehr zurückhaltend). Das war natürlich für mich, den Brinkmann-Fan, ein gefundenes Fressen. – Das neue Brinkmann-Buch Schnitte (48 DM!) finde ich übrigens nicht so gut – zu künstlich, abstrakt. Aber Maleen bringt demnächst einen von Brinkmann als Vorwort zu Westwärts 1 & 2 gedachten Text heraus, – 80 Seiten. Sie meinte, dass die Brinkmann-Bücher nur einen bestimmten Kreis von Leuten ansprächen und für sie nicht viel Geld dabei rumkäme (vom Rowohlt-Verlag war sie auch nicht besonders begeistert, was die Herausgabe der Bücher betraf). […]

Bert Brune (*1943) ◊ Schriftsteller zum Fragebogen
Zuletzt erschienen ist: Urba(h)n Sketching: Meine Skizzen in Bus und Bahn. Mit Zeichnungen von Jahangir Dermani. BoD 2017.

 

LARS WEYLTHAAR

Brinkmann, Cut-up

es ist freitagnachmittag
der beifall in einem kleinen engen mittelzimmer
des individuums präsentiert

ohne einen helden
als bedürfnis nach sexualbefriedigung.
was für entzückungen

die angewandte grammatik
enthält, was ein gedicht darzustellen habe
mit messer und gabel

aufgeschnitten, entsteint, dinge, die
an ihm kleben, die katze in einen alten sack.
der wein ist mir auch nicht bekommen.

der braunbespritze blechmantel
auf dem kleinen schreibtisch das tintentöpfchen
diese unablässige quälerei.

jetzt ist es schon spät
für rygulla
für marleen
für mich selber

Lars Weylthaar (*1982) ◊ Schriftsteller
Zuletzt erschienen ist: “welcome to the working week” und Gedichte in #MAULhURE #7. Hrsg. von Urs Böke und Jerk Götterwind (Rodneys Underground Press), Dortmund 2019.

 

ECKHARD RHODE

Brinkmanns Ziel war es, die Sprache so porös zu machen, dass sie als Medium der Wahrnehmung tauglich wird. […] In den Akten des Notierens in der Außenwelt hat er versucht, Beobachtung und Notieren des Beobachteten zur Deckung zu bringen. Das ist, wie gesagt, unmöglich. Manchmal scheint ihm im Schreiben der Unterschied zwischen Sehen (Blicken) und Schreiben abhanden gekommen zu sein. Ein faszinierender, produktiver Zustand, aber eben auch ein sehr gefährlicher. Die produzierten Schnittmengen zwischen diesen beiden Bereichen, in denen auch, denke ich, der Hass wurzelt bzw. zum Ausbruch kommt, gehören in den gelungenen Texten (zum Beispiel: Schnitte) zum Stärks­ten, was Brinkmann hinterlassen hat.2)

Aber er konnte sich dann auch nicht mehr steuern. Und auch sein Scheitern in diesem Sinne gehört zu seinem Werk. Er hat die Macht der Sprache auch unterschätzt. Er unternahm Attentate auf die Sprache, und ihre volle Macht hat auch er verkannt. Seine Sprachkritik ist stark und mächtig, erschöpfte aber die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Sprache bei weitem nicht. Die Sprache ist auch unkontrollierbar, und ein Bild von ihr kann man sich nicht machen. Die Modelle, die wir von ihr erstellen können, erschöpfen ihre Komplexität nicht.

Rhode_Brinkmann-Gedicht_2010

Eckhard Rhode: Widmungsgedicht für R.D.B. Zum Vergrößern der Ansicht bitte anklicken.

Man könnte sagen, die Sprache hat sich an Brinkmann gerächt für die Attentate, die er – mit ihrer Hilfe – laufend auf sie unternahm. Sie hat ihn mit in ihre Untiefen, in ihre Abgründe gezogen. Sie hat ihn in seinen Tod gerissen. […]

Andererseits, glaube ich, hätte Brinkmann nie aufgehört zu schreiben. Er war davon getrieben, Wahrnehmung in Sprache umzusetzen. Allein schon durch die unglaubliche Menge des Geschriebenen bekamen seine Texte eine eigene Dynamik, eine Dynamik, die nicht mehr der Kontrolle der Wahrnehmung und des Blicks unterlag. (Aus: “Vier Fragen zu R.D.B.” auf diesem Blog)

Eckhard Rhode (*1959) ◊ Schriftsteller, Schauspieler, Gastronom zum Fragebogen
Zuletzt erschienen ist: akt. Mit einem Nachwort von Franz Kaltenbeck. Peter Engstler 2014.
Siehe auch: “‘Nicht nur stumme Lippenbewegungen.’ Eckhard Rhode im Gespräch”
zum Interview auf diesem Blog

 


Ausschnitt aus Brinkmanns Zorn (2007) von Harald Bergmann: mit Eckhard Rhode (als R. D. Brinkmann) und
Alexandra Finder (als Maleen Brinkmann). O-Ton: R. D. Brinkmann ■ anschließend spricht Klaus Theweleit,
Kulturtheoretiker und Schriftsteller, über Brinkmanns Methode der Tonaufnahme. Dauer: 6’16”

 

“in mir gehört nichts dahin, wo es hingehört.
die verlorenheit ist zusammengetackert und zwischen zwei laminierte kartonseiten gepackt.
so ist das, wenn träume alt sind.”
(Lütfiye Güzel: & das gegenteil von glück)

  

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KARL-ECKHARD CARIUS

Rolf Dieter Brinkmann war ein Seismograph meiner Generation, konsequent und radikal in seiner künstlerischen Agitation. Erst durch meine spätere Lehrtätigkeit an der Universität in Vechta, dem Geburtsort Brinkmanns, befasste ich mich intensiver mit ihm. Sein Ausbruch aus der bürgerlichen Öde der katholisch geprägten Kleinstadt wurde mir hier leibhaftig veranschaulicht. Vielen gilt er in Vechta heute noch als Nestbeschmutzer und in seiner subversiven Schreibweise unnahbar, ohne je etwas aus seinem Werk gelesen zu haben. Dennoch rühmt man sich mittlerweile von offizieller Seite des großen „Sohnes“ der Stadt.3Anm. R. Di Bella: Siehe hierzu auch Carius’ offenen Brief vom 16. April 2020 auf seiner Website. Das forderte mich heraus, den Entgrenzer und Un-Heimeligen 2008 in einer Ausstellung zu thematisieren.

“Der unheimliche Brinkmann”: Bilder einer Ausstellung (2008/2014)
© KE Carius und Yorck Maecke
Zum Vergrößern der Galerie bitte ein beliebiges Bild anklicken.

Er sei ein ICH, das quer zur Welt liege, bemerkte einmal Peter Handke treffend über Rolf Dieter Brinkmann. Er verschonte dabei keinen, sich selbst am wenigsten. “Wie leb’ ich denn?”, fragte er. Und das nicht allein vor dem Hintergrund des Weltgeschehens, sofern es für die meisten über die Angst hinaus überhaupt überschaubar ist. Unser Spiegelbild sollten wir befragen, um zu erkennen, dass selbst im tabufreien Raum, in dem wir uns bewegen, hinter unseren eigenen und den vielen bürokratischen Charaktermasken ein beschnittenes Bedürfnis liegt, frei atmen und Denkräume entfalten zu können. Anders als die literarischen und künstlerischen Epigonen hat sich Brinkmann vom Smog der Alltagserfahrung schreibend und schreiend zu befreien versucht, seinen permanenten Ausbruchsversuch zum Lebensthema gemacht. (Aus: “Vier Fragen zu R.D.B.” auf diesem Blog)

Beispielseite aus Schnitte im Atemschutz ■ Begleitband zur Ausstellung ■ Gestaltung: Surface Grafik

Prof. Karl-Eckhard Carius (*1942) ◊ Künstler, Autor und Herausgeber zum Fragebogen ■ Zuletzt erschienen ist: CARIUS #68+ / Im Labyrinth der Ereignisse. Hrsg. von Ralf Schnell. DISTANZ Verlag 2019. ■ Siehe auch: Brinkmann. Schnitte im Atemschutz. Hrsg. von K.-E. Carius. edition text + kritik 2008 [Begleitband zur Ausstellung »Der unheimliche Brinkmann – Zeichen für einen Grenzgänger«, Vechta 2008 und Berlin 2014]. Mehr zu Rolf Dieter Brinkmann auf: www.ke-carius.de

DIETER M. GRÄF

Ich bin immer wieder fasziniert von der Kühnheit seines Schreibens. Brinkmann ist jemand, der von den APO-Erfahrungen her kommt, lebt und schreibt; er ist im Grunde eine APO-Figur. Andererseits gibt es bei ihm aber auch etwas, was ich das ‚nordische Element’ nennen würde. Wenn man es pointiert sagen möchte, könnte man behaupten, dass es einen ‚linken’ und einen ‚rechten’ Brinkmann gibt. Den APO-Brinkmann, der ohne Studentenbewegung, ohne die literarisch-existentielle Erfahrung der beat generation gar nicht denkbar wäre und dann derjenige, der auf korrekter Kleidung besteht und doch im Grunde ein Jeanstyp ist und der polemisiert gegen alles, was mit linkem Zeitgeist zu tun hat. Diese Ambivalenz finde ich spannend.

“Die nackten Astronauten bewegen / sich frei im Raum”.
Vier optische Variationen eines Gedichts aus Falsches Rot (2018).
Aufnahmen: (c) Dieter M. Gräf (2020)
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Viele haben die Tendenz, sich einer Meinungsschule anzuschließen, einem Meinungsbild anzupassen, das einen nach oben spült, um sich so das Leben leichter zu machen. Dies geschieht teilweise aus Opportunismus, teilweise aber auch weil man es gar nicht erkennt und reflektiert. Beides trifft auf Brinkmann nicht zu, er ist das genaue Gegenteil, er verweigert sich jeder Herdenbildung. In dieser Hinsicht ist er aufregend integer, weil er strikt seinen eigenen Weg sucht und die Figur des Einzelnen so betont, geradezu verherrlicht. Das, dieses Beharren auf dem Einzelnen, gefällt mir sehr.

Dieter M. Gräf ◊ Lyriker, Autor, Fotograf zum Fragebogen
Zuletzt erschienen ist: Falsches Rot. Gedichte und Fotografien. brueterich press 2018.
Das oben zitierte Statement ist Teil eines umfangreichen Interviews, das ich bereits 2002 mit dem Autor in Köln geführt habe zum Interview
Siehe auch von Dieter M. Gräf: “’Die Literatur muß verschwinden’: der Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann bleibt”. In: Sprache im technischen Zeitalter (SpritZ). 2015, Vol. 53 (215), S. 347-358.

 

LÜTFIYE GÜZEL

Vier Cut-ups aus der Sammlung marxlohmontage (erscheint Mai 2020)
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lütfiye güzel: & das gegenteil von glück ■ video und prosa (Dauer: 10’21”)

Lütfiye Güzel (*1972) ◊ Autorin und Lyrikerin zum Fragebogen
Zuletzt erschienen ist: nahezu nichts gelingt.
go-güzel-publishing 2020.

 

JÜRGEN PLOOG

Mit ACID hatte Brinkmann zusammen mit Rygulla eine gewaltige Bresche für eine ungezügelte Literatur geschlagen. Sein Nachwort hat mich stark beeindruckt, denn es zeigte, dass er kein abgeklärter Herausgeber war, sondern voll hinter dem wiedergegebenen Material stand & dessen Bedeutung genau einschätzen konnte. Er machte es mit seinen Ausführungen zum Programm, mit dem sich ein ungeahnter Schreibraum auftat. Die Übersetzungen taten das Ihrige, im Nachwort übertrug er eine bis dahin zumindest in Deutschland unbekannte Bewusstseinsebene in greifbare Reichweite.

Er war wohl schon immer offen für die Wucht des Augenblicklichen gewesen, jetzt geriet das zu einer literarisch/poetischen Lebensauffassung, die keine Schranken gelten ließ. Im besten Sinn des Wortes revolutionär. Genau dieser Ansatz wird bleiben. Die sprachliche Verdichtung dessen, was die verwässerte Schablone Realität hergibt, dieses heute wieder beliebte Verharren in bemühten deskriptiven Selbstverständlichkeiten. Rolf Dieter Brinkmann ist genau den Weg gegangen, den neben mir auch Fauser & Weissner (jeder auf seine Weise) eingeschlagen haben.

Er war dabei radikal & so rücksichtslos, wie es die damalige Umbruchsituation erforderte. Davor ziehe ich noch heute meinen Hut… (Aus: “Vier Fragen zu R.D.B.” auf diesem Blog)

Jürgen Ploog ◊ (*1935) Schriftsteller, Publizist, Langstreckenpilot zum Fragebogen
Zuletzt erschienen ist: Dillinger in Dahlem. Cut-up Prosa. Mit Collagen von Walter Hartmann. Moloko-Print (Chapbook No. 6) 2019.
Siehe auch: “Exibition des zufälligen Ichs: Brinkmanns Reisen durch stürzende Paradigmen”. In: J.P.: Facts of Fiction. Essays zur Gegenwartsliteratur. Paria-Verlag 1991, S. 35-39. Download [1,74 MB]

 

JOCHEN ARLT

Harald K. meint
wer
schreibt
der bleibt
wie Brinkmann
noch lange nicht

Jochen Arlt (*1948) ◊ Schriftsteller und Herausgeber
Zuletzt erschienen ist: Geschenkt II. Weitere Gedichte, Prosa, Sprüche. NordPark Verlag 2014.

 

RENATE MATTHAEI

Brinkmanns Schreiben war ein “work in progress”. Greift man ein Buch heraus, muß man es vor dem Hintergrund des vorhergehenden sehen. Seit dem Roman Keiner weiß mehr (1968) war ich die Lektorin von Brinkmann. Die Radikalität einer bis zum äußersten zugespitzten depressiven Empfindsamkeit als Echo einer stillstehenden Gesellschaft fand meine volle Zustimmung. Der darauffolgende Gedichtband Die Piloten, ebenfalls 1968 erschienen, war dann die große Überraschung, und ich erlebe ihn auch heute noch als einen spontanen Energiegewinn, eine Lizenz zum Loslassen, Durchatmen, kurz: als pure Kreativität. Das Erstaunliche an Brinkmann war das Ausmaß des Widerspruchs, das er schreibend beherrschte: die verzweifelte Suche in einer labyrintischen Welt und das pilotenhafte Aufsteigen in die Freiheit von Witz, Spiel und transparenter Verknüpfung des alltäglichen Moments. Das wirkt bis heute und ist für mich als Möglichkeit des “Dichtens” aus der deutschen Literatur nicht mehr wegzudenken. (Aus: “Vier Fragen zu R.D.B.” auf diesem Blog)

Renate Matthaei (*1928) ◊ Verlagslektorin, Herausgeberin, Autorin zum Fragebogen
Zuletzt erschienen ist: Sulpiz Boisserée und die Vollendung des Kölner Doms. Eine Biographie. BoD 2016.

 

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Anmerkungen   [ + ]

1. Zuerst erschienen in Brinkmann. Schnitte im Atemschutz. Hrsg. von Karl-Eckhard Carius. edition text + kritik 2008. Veröffentlichung auf dieser Website mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin.
2. Zitat aus Harald Gröhler: “Rolf Dieter Brinkmann”. In: ders., Dichter! Dichter! So begegneten sie mir. Mit Fotografien von Brigitte Friedrich. Königshausen & Neumann 2019, S. 24-32.
3. Anm. R. Di Bella: Siehe hierzu auch Carius’ offenen Brief vom 16. April 2020 auf seiner Website.

Über RoDiBe

Dr. Roberto Di Bella: Literaturwissenschaftler & Kulturvermittler
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