Marco Sagurna

Vier Fragen zu Rolf Dieter Brinkmann

Marco Sagurna (Foto: privat)

1. Wie bist Du auf Rolf Dieter Brinkmann aufmerksam geworden?
Nachdem in Frankfurt am Main der Literaturwissenschaftler Volker Bohn meine Begeisterung für die Moderne durch die für Brinkmann so wichtige Lyrik Gottfried Benns weckte, war es an der Universität in Brinkmanns Geburtsstadt Vechta Prof. Otto Hannes Dörner, der mich auf den (in dessen Heimat bis dahin sozusagen unter dem Ladentisch gehandelten) Dichter stieß. Zusammen mit Gunter Geduldig, Leiter der dortigen Universitätsbibliothek, durfte ich dann – als Dörners Wissenschaftliche Hilfskraft – das inzwischen sehr anständig fortgeführte Brinkmann-Archiv mit aufbauen. Es folgte 1992 zusammen mit Geduldig und Cornelius Riewerts, Chefredakteur der Oldenburgischen Volkszeitung, die Gründung der Rolf-Dieter-Brinkmann-Gesellschaft e.V. sowie das erste Internationale Symposion zu Leben und Werk Rolf Dieter Brinkmann, das ich mit ausrichten durfte.1)(Anm. R. Di Bella) Siehe hierzu die Publikation Rolf Dieter Brinkmann: Blicke ostwärts – westwärts. Beiträge des 1. Internationalen Symposions ...weiter lesen Seitdem begegnen mir Brinkmanns – oder die von ihm (mit)herausgegebenen – Texte immer wieder; sie bewegen ja so viele Schreibende.

2. Welcher seiner Texte hat Dir am besten gefallen?
Oje, oje … Dazu sage ich mal so: Westwärts 1&2, die Gedichte darin sind unverzichtbar. Spektakulär. Vernichtend und wegweisend. Dieses Buch gehört in jeden Haushalt. Ebenso die von Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla 1969 in ACID – Neue amerikanische Szene herausgegebenen Texte. Immer wieder mal, zusammen mit anderen Literaturfreundinnen und Musikern, bringe ich die Poesie aus diesen Büchern auf (Kneipen-)Lesungen zum Vortrag. Brinkmann-Hits darunter sind das Titelgedicht „Westwärts“, das programmatische „Ein Gedicht“, „Rolltreppen im August“, „Notizen zu einer Landschaft bei Vechta i. O. für H. P.“, „Hymne auf einen italienischen Platz“, „Mondlicht in einem Baugerüst“ sowie „Nach Shakespeare“ und „Trauer auf einem Wäschedraht im Januar“. Ein großer Spaß.

3. Was hättest Du Brinkmann gerne noch persönlich gesagt?
Mach weiter, Meister.

4. Ergänze bitte folgenden Satz: Rolf Dieter Brinkmann ist…
… ist es gelungen, aus einem besten Amerikanisch ein bestes Deutsch zu entwickeln. Welch ein Labsal. Ist bester Text doch immer wieder so wichtig für unsere durchzublasenden Hirne.

Zur Person
Marco Sagurna, *1961 in Wiesbaden; Lebensstationen in Frankfurt am Main, Vechta, Angers, Oldenburg und seit 1999 in Hannover; Studium der Germanistik, Kunst, Psychologie sowie Kulturmanagement; Redakteur für Tageszeitungen, Pressesprecher, Gastdozent (Maharaja Sayajirao University of Baroda), Texter & Sanges-Stimme (Sodom & Gomorrha und tonale kohorte), Multimedia-Förderer an Schulen, Korrektor, Volontär (im Suhrkamp Theaterverlag), Theater-Kritiker, Schriftsteller und Literatur-Verleger.

Er war darüber hinaus Herausgeber bzw. Mitherausgeber der Literaturzeitschriften GRÖSSENWAHN (1986-1990) und EISWASSER (1996-2002) sowie mit Gunter Geduldig des Materialien- und Interviewbandes too much – das lange Leben des Rolf Dieter Brinkmann (1994, Alano Verlag) antiquarisch erwerben. Aktuelle bzw. geplante Veröffentlichungen (alle im POP Verlag, Ludwigsburg): WARMIA. Roman (2018 Leseprobe); MINIMAL – Einfache Gedichte (im Druck für Herbst 2019); IM OSTEN GEHT DIE SONNE AUF ! – Neue poetische Töne aus Osteuropa. Ein Lesebuch. Gesammelt von Ralf-Rainer Rygulla & Marco Sagurna (in Vorbereitung für Frühjahr 2020).

Mehr Informationen
Private Website des Autors
Profil auf “Literaturport.de”

 

Anmerkungen   [ + ]

1. (Anm. R. Di Bella) Siehe hierzu die Publikation Rolf Dieter Brinkmann: Blicke ostwärts – westwärts. Beiträge des 1. Internationalen Symposions zu Leben und Werk Rolf Dieter Brinkmanns. Hrsg. von Martin Kagel und Gudrun Schulz: Vechta: Eiswasser-Verlag 2001
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