Bertram Rutz

Vier Fragen zu Rolf Dieter Brinkmann

August 2012:  In Düsseldorf finden wieder die „Kunstpunkte“ statt. Kunstschaffende öffnen ihre Ateliers und lassen sich bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen. Der Zufall bringt mich in das Atelier des Malers und Graphikers Bertram Rutz. 

Einige seiner Arbeiten kommen mir seltsam vertraut vor. Es sind Linolschnitte nach Fotomotiven von Rolf Dieter Brinkmann, klar und fremd zugleich (s.u.). Diese Arbeiten sind auch Ausdruck seiner intimen Kenntnis des Werk des Schriftstellers, für dessen Musikalität er ein besonderes Gespür hat.

 

Bertram Rutz

Bertram Rutz // Foto: Privat

1. Wie bist Du auf Rolf Dieter Brinkmann aufmerksam geworden?
1975 – in einem kurzen Nachruf von Dieter Wellershoff in einer Zeitung. Darin ein Foto, auf dem Brinkmann, eine Zigarette an der anderen anzündend, den Blick und die Haltung eines sprung­bereiten Tigers hat. Dazu der Satz: „Alleinsein ist wie Gas das ausströmt“. Daraufhin besorgte ich mir den gerade erschienenen Gedichtband Westwärts 1 & 2, der mich alleine schon wegen des ungewöhnlichen Titels und der Schwarzweißfotos auf dem Einband anzog. Dem Sog, der von diesen Texten damals sofort und unmittelbar ausging, vermag ich mich bis heute nicht zu entziehen.

2. Welcher seiner Texte hat Dir am besten gefallen?
Nach wie vor Westwärts 1 & 2. Es ist dieser unverwechselbare muskulöse Sound, gleichzeitig beiläufig und zwingend, von Erfahrung und Reflektion gesättigt. Die Fähigkeit, das Allernächste wie das weit Entfernte miteinander zu vernetzen, in höchster Sensibilität wie in heftigstem Zorn. Gedichte voller eindringlicher und tiefer Bilder, dabei so offen, dass man sie immer wieder wie zum ersten Mal lesen und auf stets neue Weise miteinander verknüpfen kann. Die ursprüngliche und positive Energie und Körperlichkeit darin steht in einem bemerkenswerten Kontrast zu den überwiegend negativen Situationen und Zuständen, die diese Gedichte beschreiben, beschwören, erlebbar machen.

3. Was hättest Du Brinkmann gerne noch persönlich gesagt?
Why did you have to leave so soon?

 4. Ergänze bitte folgenden Satz: Rolf Dieter Brinkmann ist…
… mit seinem unersättlichen Erfahrungshunger und Wissensdurst, seiner ungefilterten und ungeschützten Offenheit gegenüber allen Schattierungen menschlichen Erlebens, seiner unfassbaren Arbeits- und Erkenntnisenergie ebenso ein Vorbild wie eine Warnung für alle Menschen, die ernsthaft schöpferisch tätig sind (oder sein wollen).

Zur Person
1959 in Düsseldorf geboren, lebt und arbeitet Bertram Rutz dort als freier Künstler. Brinkmann-Leser ist er seit seiner Abiturzeit auf dem Benrather Schlossgymnasium. 2009 entstand der 22-teilige Zyklus „Rolf Dieter Brinkmann – Revisited“, auf der Grundlage von Originalfotografien des Autors. Einige Beispiele zeigt die untenstehende Galerie, weitere die Website von Bertram Rutz (s.u.). Sie sind auch in meine Brinkmann-Studie eingegangen, wo sie ein wunderbares Echo zu den Interpretationen bilden. Seit über drei Jahrzehnten widmet Bertram Rutz sich dem Linolschnitt, neben seiner malerischen Arbeit. Zuletzt beendete er im Dezember 2013 den 40-teilige Zyklus „Half Past Jazz“. Dieser ist nicht nur Ausdruck der künstlerischen Annäherung an eine Musikgattung und ihre Geschichte, sondern zeichnet zugleich das faszinierende Panorama einer ganzen Kultur.

Mehr Informationen
www.bertram-rutz.de

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